Wenn die Sommerferien beginnen, stellen sich viele Unternehmen dieselbe Frage: Lohnt sich E-Mail-Marketing überhaupt noch, wenn ein großer Teil der Zielgruppe im Urlaub ist? Das sogenannte Sommerloch gilt seit Jahren als feste Größe im Marketing. Weniger Aufmerksamkeit, geringere Öffnungsraten und ausbleibende Reaktionen scheinen vorprogrammiert.
Unsere Auswertung von mehreren Jahren E-Mail-Marketing zeichnet jedoch ein deutlich differenzierteres Bild. Ja, die Sommermonate können schwächer ausfallen. Gleichzeitig zeigen unsere Daten aber auch, dass erfolgreiche Kampagnen selbst in der Haupturlaubszeit hervorragende Ergebnisse erzielen können. Entscheidend ist nicht die Jahreszeit allein, sondern die Strategie dahinter.
Unsere Daten zeigen: Das Sommerloch gibt es – aber nicht immer
Für diesen Beitrag haben wir die Entwicklung unserer E-Mail-Kampagnen von Anfang 2023 bis Mitte 2026 analysiert. Betrachtet wurden Öffnungsraten, Klickraten und Versandvolumina über mehrere Jahre hinweg.
Die Ergebnisse zeigen: Ein klassisches Sommerloch lässt sich nicht pauschal bestätigen. 2023 und 2025 waren die Sommermonate tatsächlich schwächer als viele andere Zeiträume des Jahres. Im August 2023 lagen die Öffnungsraten beispielsweise rund 25 Prozent unter den Werten des Oktobers. Auch 2025 zeigte sich zwischen Juni und August ein ähnliches Muster.
Doch 2024 verlief völlig anders. Hier gehörte der Sommer zu den erfolgreichsten Phasen des gesamten Jahres. Der August entwickelte sich sogar zum stärksten Einzelmonat im gesamten Beobachtungszeitraum.
Die wichtigste Erkenntnis daraus: Das Sommerloch ist kein Naturgesetz. Kampagneninhalte, Zielgruppen und Marktbedingungen haben häufig einen deutlich größeren Einfluss als die Jahreszeit selbst.
Die Spielregeln ändern sich im Sommer
Viele Unternehmen betrachten den Sommer vor allem als Risiko. Dabei verändert sich in dieser Zeit vor allem das Verhalten der Empfänger. Menschen verbringen mehr Zeit im Freien, planen Ausflüge, verreisen oder arbeiten zeitweise aus dem Homeoffice. Gleichzeitig wird das Smartphone noch stärker zum zentralen Kommunikationskanal. E-Mails werden nicht mehr nur am Schreibtisch gelesen, sondern unterwegs, im Café, am Pool oder während der Zugfahrt in den Urlaub.
Wer diese Veränderungen versteht, kann seine Kommunikation gezielt darauf ausrichten. Die entscheidende Frage lautet dabei nicht, ob im Sommer weniger versendet werden sollte, sondern welche Themen die Zielgruppe in dieser Jahreszeit tatsächlich beschäftigen.
Erfolgreiche Sommerkampagnen beginnen mit Perspektivwechsel
Eine der wichtigsten Empfehlungen für die Sommermonate ist, sich bewusst in die Situation der eigenen Empfänger hineinzuversetzen. Plant die Zielgruppe gerade den Sommerurlaub, beschäftigt sie sich mit Freizeitaktivitäten oder arbeitet sie zeitweise aus dem Homeoffice? Vielleicht nutzt sie die ruhigere Zeit auch, um Projekte vorzubereiten, die im stressigen Alltag liegen geblieben sind.
Genau aus diesen Überlegungen entstehen häufig die besten Kampagnenideen. Ein Reiseanbieter kann Inspirationen für spontane Kurztrips liefern, ein Versicherungsunternehmen Urlaubsschutz oder Reisethemen aufgreifen und ein B2B-Anbieter Inhalte anbieten, die Unternehmen bei der Planung für das zweite Halbjahr unterstützen.
Dabei zeigt sich immer wieder, dass saisonale Themen besonders gut funktionieren. Reiseangebote, Sommermode, Outdoor-Aktivitäten oder Veranstaltungen in der Ferienzeit treffen oft genau die aktuelle Lebensrealität der Empfänger und können dadurch höhere Interaktionsraten erzielen als klassische Standardkampagnen. Wer die positive Urlaubsstimmung aufgreift und passende Inhalte liefert, schafft häufig bessere Voraussetzungen für Klicks und Conversions. Erfolgreiche Sommerkampagnen verkaufen deshalb nicht einfach Produkte, sondern greifen aktuelle Bedürfnisse auf.
So nutzt du die Sommermonate für erfolgreiches E-Mail-Marketing
Neben den passenden Inhalten lohnt es sich, auch die Gestaltung und Planung von Kampagnen an die Sommermonate anzupassen. Oft sind es bereits kleine Optimierungen, die einen spürbaren Unterschied machen können.
- Kürzere Betreffzeilen: Viele Empfänger sind unterwegs und überfliegen ihre E-Mails schneller als im Büroalltag. Kurze und prägnante Betreffzeilen erhöhen die Chance auf Aufmerksamkeit.
- Mobile Optimierung: Da E-Mails häufig auf Smartphones gelesen werden, sollten Inhalte, Bilder und Call-to-Actions konsequent für mobile Endgeräte optimiert sein.
- Minimalistisches Design: Weniger Text, klare Botschaften und übersichtliche Layouts erleichtern die Lesbarkeit auf kleinen Bildschirmen und passen besser zum mobilen Nutzungsverhalten.
- Versandzeiten hinterfragen: Urlaub, Homeoffice und flexible Arbeitszeiten verändern die gewohnten Tagesabläufe. E-Mails werden häufig früher am Morgen oder später am Abend gelesen. Daher lohnt es sich, unterschiedliche Versandzeitpunkte zu testen.
- Längere Aktionszeiträume einplanen: Wer verreist ist, reagiert oft zeitversetzt. Kampagnen sollten deshalb nicht zu knapp geplant werden.
- Sommerliche Themen aufgreifen: Urlaub, Reisen, Freizeit oder Outdoor-Aktivitäten bieten zahlreiche Möglichkeiten, Kampagnen relevanter und emotionaler zu gestalten.
- Sichtbarkeit nutzen: Viele Unternehmen reduzieren ihre Marketingaktivitäten während der Ferienzeit. Wer weiterhin relevante Inhalte versendet, kann dadurch von einer höheren Aufmerksamkeit im Postfach profitieren.
Relevanz schlägt Jahreszeit
Unsere Daten zeigen eindeutig: Das Sommerloch im E-Mail-Marketing existiert, aber längst nicht so eindeutig, wie oft behauptet wird. Während einzelne Jahre tatsächlich schwächere Sommermonate aufweisen, zeigen andere Zeiträume genau das Gegenteil. Entscheidend ist nicht, ob Ferienzeit herrscht, sondern wie gut Kampagnen auf die aktuelle Lebenssituation der Zielgruppe abgestimmt sind.
Wer die Urlaubszeit lediglich als Risiko betrachtet, übersieht zahlreiche Chancen. Wer dagegen saisonale Themen aufgreift, Versandzeiten hinterfragt und seine Kommunikation an die Bedürfnisse der Empfänger anpasst, kann auch im Hochsommer starke Ergebnisse erzielen. Denn erfolgreiche E-Mail-Kampagnen entstehen nicht durch den richtigen Kalendermonat, sondern durch Relevanz.
Relevanz schlägt Volumen – und die Zahlen beweisen es
Mehr E-Mails versenden bedeutet nicht automatisch mehr Erfolg. Das bestätigen die aktuellen Benchmark-Daten 2026 von Inxmail, basierend auf 4 Milliarden anonymisierten E-Mails aus dem DACH-Raum: Die Tourismusbranche erzielte mit einer Öffnungsrate von 51,2 Prozent den Spitzenwert aller 15 untersuchten Branchen – und das bei vergleichsweise niedriger Versandfrequenz. Der Grund: saisonale, relevante Inhalte, die genau das ansprechen, was Empfänger in diesem Moment beschäftigt. Das Sommerloch? Für die Tourismusbranche schlicht kein Thema.



