Lesen 2.0: Der Buchhandel im Umbruch

Das Lesen gehört weiterhin zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen. Insbesondere jetzt in der Vorweihnachtszeit boomt das Geschäft. 2011 standen Bücher europaweit auf Platz eins der Wunschlisten, einen Spitzenplatz werden sie auch in diesem Jahr wieder einnehmen. Eines ist dabei sicher: Zum Großteil werden die Büchergeschenke nicht mehr beim Buchhändler um die Ecke gekauft, sondern im Internet bestellt. Vielleicht liegen zur Bescherung auch keine Papierausgaben, sondern ein E-Book-Reader mit Downloadgutschein unter dem Tannenbaum.

Der Online-Buchhandel auf dem Vormarsch

Die Buchbranche befindet sich unübersehbar im Umbruch. Der stationäre Handel in Deutschland fühlt sich vom E-Commerce massiv bedroht. Tatsächlich beziehen laut Umfragen zum Einkaufsverhalten bereits über die Hälfte aller Deutschen ihre Bücher über das Internet. Zum Vergleich: In den USA sind es nur 43%. Während der Gesamtumsatz im Buchhandel sinkt, verzeichnet der Onlinehandel ein Plus und kommt auf knapp 15% des Gesamtumsatzes, wie der Börsenverein des deutschen Buchhandels zur Jahresmitte bekanntgab.

Erfolgsfaktor E-Book

Die neuen Herausforderungen für den Buchhandel angesichts der zunehmenden Digitalisierung waren bereits zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse am 10. Oktober ein zentraler Diskussionspunkt. Nicht zuletzt ausschlaggebend war eine im Vorfeld veröffentlichte Studie von PricewaterhouseCoopers (pwc) über die Entwicklung von E-Books in Deutschland. Demnach werden elektronische Bücher langfristig an Einfluss gewinnen. Für 2015 wird allein im Bereich Belletristik ein Umsatz von über 350 Mio. Euro prognostiziert. Aktuell machen E-Books zwar nur einen Marktanteil von zwei Prozent aus, allerdings hat sich der Umsatz innerhalb eines Jahres bereits verdoppelt.

Die jüngsten Entwicklungen spiegeln den Aufwärtstrend des E-Books wider: Zeitgleich zur Buchmesse ging der bekannte Online-Shop Libri.de unter dem neuen Namen ebook.de mit einem innovativen E-Book-Angebot online. Hintergrund war, dass mehr elektronische als gebundene Bücher verkauft wurden. Amazon startete Ende Oktober eine kostenlose E-Book-Leihbibliothek für den Kindle. Die Verlage und klassischen Buchhandlungen stehen vor der Aufgabe, neue Strategien zu entwickeln und ihre Kompetenzen im Bereich digitale Bücher und Onlinehandel auszubauen.

E-Books in Deutschland

In Deutschland lesen rund 8 Millionen Personen E-Books. Der Vorteil der elektronischen Bücher liegt auf der Hand: Sie sind platzsparend, kostengünstig und jederzeit downloadbar – Bestellungen mit Wartezeiten entfallen. Die Leserschaft setzt sich aus allen Altersklassen zusammen, erst bei den über 60-Jährigen geht der Anteil deutlich zurück. Bei Frauen erfreuen sich insbesondere Belletristik-E-Books großer Beliebtheit, Männer lesen v.a. elektronische Zeitschriften.

 

 

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